Bava Metzia 192

Kapitel 192

א שואל הוי או שוכר הוי
1 als Entleiher oder als Mieter?
ב אמר רבא לפום חורפא שבשתא מה נפשך אי שואל הוי שאלה בבעלים היא אי שוכר הוי שכירות בבעלים היא
2 Raba erwiderte: Entsprechend dem Scharfsinne der Irrtum; ist er Entleiher, so ist er ja Entleiher im Beisein des Eigentümers, und ist er Mieter, so ist er ja Mieter im Beisein des Eigentümers!?
ג אלא כי קמיבעיא ליה לרמי בר חמא דאגר מינה פרה והדר נסבה שואל הוי או שוכר הוי
3 Vielmehr, Rami b. Ḥama fragte hinsichtlich des Falles, wenn er von ihr eine Kuh gemietet und sie nachher geheiratet hat; gilt er als Entleiher oder gilt er als Mieter?
ד שואל הוי ואתיא שאלה בבעלים מפקעא שכירות שלא בבעלים או דלמא שוכר הוי ושכירות כדקיימא קיימא
4 Gilt erals Entleiher, somit hat das Entleihen im Beisein des Eigentümers die Miete in Anwesenheit des Eigentümers aufgehoben, oder gilt er als Mieter, somit bleibt die Miete bestehen. —
ה ומאי שנא דאי שואל הוי דאתי שאלה בבעלים מפקעא שכירות שלא בבעלים אי שוכר נמי הוי תיתי שכירות בבעלים תיפוק שכירות שלא בבעלים
5 Welchen Unterschied gibt es denn hierbei; wenn er Entleiher ist, hebt das Entleihen im Beisein des Eigentümers die Miete in Abwesenheit des Eigentümers auf, ebenso sollte doch auch, wenn er Mieter ist, die Miete im Beisein des Eigentümers die Miete in Abwesenheit des Eigentümersaufheben!? —
ו אלא כי קא מיבעיא לרמי בר חמא כגון דאגרא איהי פרה מעלמא והדר נסבה
6 Vielmehr, Rami b. Ḥama fragte hinsichtlich des Falles, wenn sie von einem Fremden eine Kuh gemietet und [ihr Ehemann] sie nachher geheiratethat;
ז ואליבא דרבנן דאמרי שואל משלם לשוכר לא תיבעי לך דודאי שאילה בבעלים היא
7 nach den Rabbanan, welche sagen, der Entleiher müsse an den Mieterbezahlen, ist dies nicht fraglich, dies ist entschieden ein Entleihen im Beisein des Eigentümers,
ח כי תיבעי לך אליבא דר' יוסי דאמר תחזיר פרה לבעלים הראשונים מאי שואל הוי או שוכר הוי
8 fraglich ist es nur nach R. Jose, welcher sagt, die Kuh müsse dem Eigentümerersetzt werden. Wie ist es nun, gilt erals Entleiher oder gilt er als Mieter?
ט אמר רבא בעל לא שואל הוי ולא שוכר הוי אלא לוקח הוי מדרבי יוסי בר' חנינא דאמר רבי יוסי ברבי חנינא באושא התקינו האשה שמכרה בנכסי מלוג בחיי בעלה ומתה הבעל מוציא מיד הלקוחות
9 Raba erwiderte: Der Ehemann giltweder als Entleiher noch als Mieter, sondern als vorberechtigter Käufer. Dies nach einer Lehre des R. Jose b. R. Ḥanina, denn R. Jose b. R. Ḥanina sagte: In Us͑a ordneten sie an, daß, wenn eine Frau bei Lebzeiten ihres Ehemannes Nießbrauchgüter verkauft hat und darauf gestorben ist, der Ehemann sie den Käufern wegnehmen könne.
י בעי רמי בר חמא בעל בנכסי אשתו מי מעל
10 Rami b. Ḥama fragte: Wer begeht die Veruntreuung, wenn der Mann die Güter seiner Frau [in Besitznimmt].
יא אמר רבא מאן לימעול לימעול בעל דהיתרא ניחא ליה דליקני איסורא לא ניחא ליה דליקני
11 Raba erklärte: Wer begeht die Veruntreuung; begeht der Ehemanndie Veruntreuung, so wollte er ja nur von Erlaubtem Besitz ergreifen, nicht aber von Verbotenem;
יב תימעול איהי דהיתרא נמי לא ניחא לה דליקני
12 begeht sie die Veruntreuung, so will sie ihm ja nicht einmal das Erlaubte zueignen;
יג נימעלו בית דין כי עבדו רבנן תקנתא ואמרו בעל לוקח הוי להיתרא לאיסורא לא עביד רבנן תקנתא
13 begeht das Gerichtdie Veruntreuung, so haben ja die Rabbanan ihre Bestimmung, daß der Ehemann als Käufer gelte, nur hinsichtlich des Erlaubten getroffen, nicht aber haben die Rabbanan sie hinsichtlich des Verbotenen getroffen!?
יד אלא אמר רבא בעל מעל לכשיוציא מידי דהוה אמוציא מעות הקדש לחולין
14 Vielmehr, erklärte Raba, begeht der Ehemann die Veruntreuung, sobald er es ausgibt; ebenso wie in dem Falle, wenn jemand Geld des Heiligtums für Profanes ausgibt.
טו איבעיא להו כחש בשר מחמת מלאכה מאי
15 Sie fragten: Wie ist es, wenn [das Vieh] durch die Arbeit abgemagertist?
טז אמר ליה ההוא מרבנן ורב חלקיה בריה דרב אויא שמיה מכלל דכי מתה מחמת מלאכה מחייב נימא לאו לאוקמא בכילתא שאילתה
16 Einer von den Jüngern, namens R. Ḥilqija, Sohn des R. Ivja, sprach: Demnach müßte er, wenn es durch die Arbeit verendet, ersatzpflichtig sein!? Er kann ja zu ihm sagen, er habe es nicht dazu entliehen, um es in den Stallzu stellen.
יז אלא אמר רבא לא מיבעיא כחש בשר מחמת מלאכה דפטור אלא אפי' מתה מחמת מלאכה נמי פטור דאמר ליה לאו לאוקמא בכילתא שאילתה
17 Vielmehr, sagte Raba, selbstverständlich ist er frei, wenn es durch die Arbeit abgemagert ist, aber auch wenn es durch die Arbeit verendet ist, ist er ersatzfrei, denn er kann zu ihm sagen, er habe es nicht entliehen, um es in den Stall zu stellen.
יח ההוא גברא דשאיל נרגא מחבריה איתבר אתא לקמיה דרבא אמר ליה זיל אייתי סהדי דלאו שנית ביה ואיפטר
18 Einst lieh jemand eine Axt von seinem Nächsten und sie zerbrach. Als er hierauf vor Raba kam, sprach er zu ihm: Geh, hole Zeugen, daß du damit nicht ungewöhnlich verfahren bist, sodann bist du ersatzfrei. —
יט ואי ליכא סהדי מאי ת"ש דההוא גברא דשאיל נרגא מחבריה ואיתבר אתא לקמיה דרב א"ל זיל שלים ליה נרגא מעליא
19 Wie ist es, wenn er keine Zeugen hat? — Komm und höre: Einst lieh jemand eine Axt von seinem Nächsten und sie zerbrach. Als er hierauf vor Rabh kam, sprach er zu ihm: Geh, bezahle ihm eine gute Axt.
כ א"ל רב כהנא ורב אסי לרב
20 R. Kahana und R. Asi sprachen zu Rabh: Ist dies